Die Wasenmeisterei

Im Jahre 1816 wurde dem Wasenmeister Klotz ein städtischer Platz auf der Rauhwiese überlassen, um dort eine neue Abdeckerei zu errichten. Dementsprechend wurde er auch "Rauhwiesenhof" genannt. 1908 heiratete Ferdinand Gruber Elisabeth Klotz. Von diesem Zeitpunkt an bekam der "Rauhwiesenhof" den Namen "Gruberhof" der sich bis heute gehalten hat. 1939 wurde das Wohnhaus aufgestockt und 1955 brannte ein Teil der Nebengebäude durch einen Blitzschlag ab.
    
Mitte 1970 wurde der Hof an die Familie Pralle verkauft und die Landwirtschaft aufgegeben. Am Freitag, dem 3. Oktober 1986, beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Ankauf des Gruberhofes, um dort das städtische Museum, zusammen mit dem Odenwaldklub und einem Kulturzentrum aufzunehmen.

Aber erst einmal zurück zum ursprünglichen "Wasenmeister" (Abdecker). Der Umstädter Scharfrichter und Wasenmeister Johann Schwert ging 1708 nach Gießen ohne sein Erbrecht in Umstadt aufzugeben. Anton Klotz aus der Frankfurter Henkerdynastie heiratete Anna Margaretha Schwert. Er erhielt seine Erbleihe 1727 erst 6 Tage vor seinem Tod. Georg Heinrich Klotz bekam sein Lehen 1743 bestätigt.
1806 kam die Familie Klotz nach Umstadt zurück und wollte die verfallene Wasenmeisterei in der Nähe der heutigen Stadthalle wieder aufbauen. Der Platz, ehemals außerhalb, lag jetzt im bebauten Gebiet, so dass der Aufbau abgelehnt wurde. In einem Vergleich wurde ihnen die städtische Fläche auf der Rauwiese überlassen, der bisherige Platz fiel der Stadt zu. Die Hofseite auf der "Rauhwiese" wurde 1828 von Johannes Klotz und Georg Heinrich "Wittib" (Witwe), also der Witwe des Georg Heinrich, als Wasenmeisterei gebaut. 1838 wurden dem Heinrich Klotz die Rechte der Wasenmeisterei "für die Zeit seines Lebens" bestätigt. Das Erbrecht, das seit 1664 in der 6. Generation vertreten war, erlosch.

Eine lange Liste polizeilicher Bestimmungen regelte die Arbeit des Wasenmeisters:

"Alles wasenmäßige Vieh ist von dem Ort, wo selbst es gefallen ist, auf den angewiesenen Anger auf dem Ziegelwalde zu bringen, daselbst abzulegen und zu verscharren. Der Wasenmeister hat jederzeit ein Pferd und einen Karren bereitzuhalten und im Sommer binnen vier Stunden das Vieh auf den Anger zu holen."

Nach dem 1908 Elisabeth Klotz Ferdinand Gruber heiratete war der Hof bis Mitte der siebziger Jahre eine große Schäferei. Die Familie Gruber besaß mehrere tausend Schafe. Die Herden weideten in Hessen und im benachbarten Bayern, wurden aber auch weidend bis nach Leipzig getrieben und dort zum Schlachten verkauft. Die Schäfer zogen mit ihren Herden über Land von Weidegrund zu Weidegrund. Sie wohnten mit ihrem Hund im Schäferkarren, der bei dem Pferch stand, in dem nachts die Schafe eingepfercht wurden.

Die Weiderechte der Gemarkungen wurden von den Gemeinden an die Schäfer versteigert. Die Schäfer versteigerten den Platz, wo der Pferch stehen sollte an die Bauern, die an dem Mist interessiert waren. Der Bauer musste den Pferch abholen, dabei wurde der Schäferkarren an einen Leiter- oder Kastenwagen gehängt. Während des Aufenthaltes in diesem Weidegrund musste der Schäfer und sein Hund von dem Bauern verpflegt werden.